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Interbankenmarkt

Zuletzt Aktualisiert: 24. November 2021

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kreditinstitute leihen sich untereinander Geld, Devisen, Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere
  • Diesen Handel nennt man Interbankenmarkt oder Eigenhandel
  • Privatpersonen können durch Forex-Broker am Interbankenmarkt teilnehmen
  • Geschäfte mit der Europäischen Zentralbank fallen nicht unter den Interbankenhandel
  • Der Interbankenmarkt ist eine wichtige Refinanzierungsmöglichkeit für Finanzinstitute
  • Konditionen der Handelsgeschäfte richten sich nach den international anerkannten Referenzzinssätzen
  • Der Eigenhandel wird nicht gesondert kontrolliert und läuft nach den nationalen bzw. internationalen Bankenvorschriften
  • Um das Risiko unter den handelnden Banken zu verringern, werden Nettingvereinbarungen abgeschlossen
  • Das Handelsvolumen ist mindestens siebenstellig, kann jedoch 100 Millionen der Basiswährung oder mehr erreichen

Was ist der Interbankenmarkt?

Wer an Banken und Sparkassen denkt, bringt diese Kreditinstitute geschäftlich mit ihren Kunden, also dem Endverbraucher, und mit Zentralbanken in Verbindung. Tatsächlich fehlt dabei ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, nämlich der Handel untereinander.

Kreditinstitute leihen sich gegenseitig Geld und zwar innerhalb ihres Herkunftslandes wie auch weltweit.

Sie versorgen sich mit Devisen, Geld, Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren und treten mitunter als Vermittler großer Kunden auf.

Privatpersonen können mithilfe von Forex-Brokern am Interbankenmarkt teilnehmen.

Diesen gegenseitigen Handel der Kreditbranche nennt man Interbankenmarkt oder Eigenhandel. Die Finanzhäuser handeln untereinander Basiswerte zum Interbankenkurs.

Geschäfte mit der Europäischen Zentralbank fallen nicht unter den Interbankenhandel.

Wie wichtig ist der Eigenhandel?

Nach der durch die Pleite des Bankhauses Lehman ausgelösten Finanzkrise 2007/2008 kam der Eigenhandel der Banken zum Erliegen. Zu groß war das Misstrauen, Geschäfte mit einer in die Krise geratenen Bank zu machen und verliehenes Geld zu verlieren.

Erst langsam erholte sich der Interbankenmarkt und wurde von den Finanzinstituten sukzessive wieder verstärkt genutzt.

Inzwischen nimmt der Eigenhandel der Banken einen großen Teil des Euromarktgeschehens ein. Er erreicht laut Erhebung der Bundesbank bis zu 30 % der Bilanzsumme von Universalbanken. Bei Spezialbanken ist der Anteil noch größer.

Mithilfe eines globalen Netzwerks internationaler Bankhäuser steuert der Interbankenmarkt das Wechselkurs- und Zinsrisiko. Zudem ist er eine wichtige Refinanzierungsmöglichkeit für die Kreditvergabe an Nichtbanken.

Wie schafft der Interbankenhandel Vertrauen und Sicherheit?

Obwohl man annehmen könnte, dass Kreditinstitute untereinander kaum Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit anderer Institute der Finanzwirtschaft hegen, machte sich seit der Finanzkrise Misstrauen breit.

Vor allem bei grenzüberschreitenden Geschäften trauten viele Kreditinstitute dem Wettbewerber aus dem Ausland nicht und machten lieber Geschäfte im eigenen Land.

Eigenhandel ohne spezielle staatliche Regulierung

In den letzten Jahren scheint das Vertrauen in globale Finanztransaktionen wieder zu wachsen.

Das muss es auch, denn der Interbankenhandel ist für Kreditinstitute eine profitable Möglichkeit, Geld zu beschaffen oder gewinnbringend zu verleihen.

Zudem haben die beteiligten Banken keine größeren staatlichen Kontrollen zu befürchten. Keines der Länder verfügt über eine spezielle Regulierungsbehörde.

Der Eigenhandel läuft nach den üblichen nationalen bzw. internationalen Bankenvorschriften ab.

Umso wichtiger ist das Vertrauen in den Interbankenmarkt, schließlich ist dessen Mindesthandelsgröße siebenstellig. Das bedeutet, bei einer Million der jeweiligen Basiswährung-US-Dollar, Euro etc. -startet der Handel erst.

In der Praxis sind deutlich höhere Trades bis zu 100 Millionen der Basiswährung Standard. In Einzelfällen sind noch größere Handelsvolumen möglich, die allerdings nicht am Devisenterminmarkt gehandelt werden.

Banken sollten das Gegenparteiausfallrisiko kennen

Die beteiligten Finanzinstitute legen Handelsvolumen, Kurs und Datum genau fest. Sie können Handelsgeschäfte rund um die Uhr an 7 Tagen pro Woche tätigen.

Dennoch erleichtert die Tatsache, dass Banken nicht mehr das Gegenparteiausfallrisiko jeder einzelnen Bank einschätzen müssen, den Handel enorm. Stattdessen sollten sie nur noch die Risiken einiger Clearinghäuser kennen.

Die Folge: Das Ausfallrisiko sinkt, im Gegenzug nimmt die Sicherheit der handelnden Banken und der Transaktionen zu.

Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos

Der Interbankenmarkt ist unreguliert und birgt Risiken. Um diese einzudämmen und realistisch einschätzen zu können, sammeln die Zentralbanken Daten der beteiligten Kreditinstitute.

Risiken im Handel mit einem angeschlagenen Wettbewerber können so frühzeitig erkannt werden.

Meldet eine Bank Insolvenz an, kann sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und Kredite nicht tilgen.

Nicht zuletzt die Finanzkrise hat gezeigt, dass selbst renommierte Banken in wirtschaftliche Schieflage geraten und andere Kreditinstitute mitziehen können.

Zusätzlich werden meist Nettingvereinbarungen zwischen den handelnden Banken abgeschlossen.

Unter Netting werden alle Vorkehrungen verstanden, um Zahlungs-, Kredit, Liquiditäts- und Fremdwährungsrisiken zwischen den handelnden Banken zu verringern. Dazu müssen zwei Kreditinstitute vertraglich gegenseitig aufrechenbare Leistungspflichten haben.

Mit dieser Art der Vereinbarung wird sichergestellt, dass innerhalb desselben Tages ein Gegengeschäft abgewickelt wird. Banken können so die Ausfallrisiken verringern.

Welche Referenzzinssätze werden für den Interbankenhandel herangezogen?

Dafür, dass der Interbankenmarkt profitabel ist, sorgen die geeigneten Konditionen. Nur international anerkannte Referenzzinssätze finden im Eigenhandel Anwendung, z. B.:

  • EURIBOR, European Interbank Offered Rate, ist ein international anerkannter Geldmarktzinssatz. Es handelt sich um den durchschnittlichen Zinssatz europäischer Banken, zu dem sie sich untereinander Geld verleihen.
  • LIBOR, London Interbank Offered Rate, wird bei kurzfristigen Krediten international tätiger Banken in unterschiedlichen Währungen bis zu 12 Monaten Dauer eingesetzt.
  • EONIA, Euro Overnight Index Average, findet bei unbesicherten Tagesgeldern im Eigenhandel der Banken innerhalb der Eurozone Anwendung.
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Dieser Artikel wurde erstmals am 24. November 2021 veröffentlicht und am 24. November 2021 aktualisiert.
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