Arbitrage

Martin

Veröffentlicht: 7. September 2020
Zuletzt Aktualisiert: 7. September 2020

Was versteht man unter Arbitrage?

Wenn du hinter die Kulisse des französischen Wortes „Arbitrage“ blickst, wirst du feststellen, dass du als Privatperson schon Arbitrage betrieben hast. Aus dem Lateinischen abgeleitet, bedeutet es übersetzt freies Ermessen, freie Wahl oder Gutdünken. Damit wird die Gewinnerzielung durch Preis- oder Kursunterschiede beschrieben. Kurz gesagt: Indem du an verschiedenen Märkten oder an unterschiedlichen Orten agierst, nutzt du Konditionsunterschiede aus.

Im täglichen Leben könnte Arbitrage so aussehen: Ein Gärtner kauft eine große Anzahl Zitronenbäumchen auf dem Markt für 15 EUR pro Stück. Auf einem anderen Markt verkauft er sie für 25 EUR das Stück. Schon hat er ein Arbitragegeschäft getätigt. Dies kann auch fremdfinanziert sein, denn um nennenswerte Gewinne zu erzielen, braucht es einen entsprechenden Einsatz für Einkauf und Kapitaldienst—Tilgung und Zinszahlung—des Kredites.

Man unterscheidet verschieden Arten von Arbitragegeschäften:

  • Zeitliche Arbitrage bedeutet, dass An- und Verkauf nicht wie üblich nahezu gleichzeitig ablaufen, sondern zeitversetzt. Das schafft Gewinnchancen, vergrößert jedoch auch die Risiken.
  • Geografische Arbitrage bedeutet, dass der Handel an zwei unterschiedlichen Orten oder auf zwei geografisch getrennten Märkten stattfindet .
  • Kulturelle/politischen Arbitrage bedeutet, dass ein Produkt in einem Zielland aus kulturellen oder politischen Gründen einen hohen Stellenwert hat. In anderen Ländern wird es womöglich nur untergeordnet nachgefragt. Das ermöglicht einen günstigen Einkauf mit hohem Verkaufspreis.

Ein erfolgreiches Arbitragegeschäft setzt Analysieren, Vergleichen und Ausnutzen unterschiedlicher Preise, Kurse oder Zinsen voraus. Wer mehr einnimmt, als er beispielsweise inklusive Transportkosten, Zöllen und Gebühren bezahlt hat, ist auf der sicheren Seite. Dennoch sollten einige Anforderungen beachtet werden. Die Arbitrage muss schnell ablaufen. Zeitliche Verzögerungen können zu Problemen führen. Preise und Kurse ändern sich, je nach Produkt, in Sekundenschnelle.

Notwendige Formalitäten, technische Anmeldungen und Verifizierungen kosten Zeit, in der sich die geplanten Konditionen bereits geändert haben können. Das ist sowohl im Handel von Lebensmitteln oder sonstigen Produkten so, ebenso wie an der Börse oder bei Kryptowährungen.

Nur wer schnell handelt, erzeugt Arbitrage-Gewinne

Um aus dem Wiederverkauf Gewinne zu erzielen, muss man schnell handeln. Denn sobald der Gärtner in unserem Beispiel eine große Menge an Zitronenbäumchen kauft, erzeugt diese Nachfrage Preissteigerungen. Dadurch schrumpft die Differenz zum Wiederverkaufspreis auf dem Zielmarkt. Zudem erzeugt der Großeinkauf auf dem für den Verkauf vorgesehenen Markt eine Steigerung des Angebots. Das bedeutet eine Preissenkung, die die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis weiter reduziert.

Fazit: Das Arbitragegeschäft erzeugt auf diese Weise keinen nennenswerten Gewinn. Eine verlustreiche Erkenntnis, wenn das Geschäft fremdfinanziert ist. Voraussetzung ist daher, dass möglichst wenige Personen von lukrativen Preis- und Kursunterschieden wissen. Eine Anforderung, die bei den technischen Ausstattungen sowohl im Handel wie auch an den Börsen immer schwerer zu erfüllen ist.

Sind Verluste mit Arbitragegeschäften möglich?

Grundsätzlich sind Arbitragegeschäfte weitgehend risikolos, da sie ihrem Wesen nach zeitgleich angekauft und verkauft werden sollten. Die Gewinnspanne bleibt moderat, da bei Arbitrage besonders spekulative Geschäfte vermieden werden.

Verluste können dennoch auftreten. Nämlich dann, wenn die Preise sich auf zwei Märkten durch die bereits beschriebenen Angebots- und Nachfrage-Abläufe aneinander angleichen. Handelt es sich um Finanzprodukte können starke Kursschwankungen zu Verlusten führen.

Arbitrage mit Kryptowährungen

Für Arbitrage eignen sich Finanzprodukte, die einfach konzipiert sind und sich durch Markttransparenz auszeichnen. Im Finanzbereich sind dies Wertpapiere, Derivate, Devisen, Edelmetalle und Anleihen. Auch Kryptowährungen gehören zu den arbitragefähigen Produkten. Allerdings setzen Technisierung und Transparenz systemimmanente Grenzen, denn sie lassen eine erfolgreiche Arbitrage immer seltener zu.

Wer eine einträgliche Kursdifferenz auf zwei Handelsplattformen entdeckt, muss hohe Investitionen tätigen und sehr schnell handeln, um tatsächlich Gewinne zu erzielen. Die Kurse auf den beiden Märkten des Arbitragegeschäfts sollten in dieser Zeitspanne weitgehend stabil sein.

Sofern es keine Mengenbeschränkungen gibt, kann ein Geschäft an Tagen mit extrem fallenden oder steigenden Kursen der Kryptowährung lukrativ sein. Allerdings spielt auch die Reaktionszeit mancher Handelsplattform eine Rolle, da in dieser Zeit der Kurs stark fallen kann. Zusätzlich sollten Gebühren für die Transaktionen eingeplant werden. Arbitrage lohnt sich daher nur bei großen Einsätzen und moderaten Kosten.

Sind Arbitragegewinne steuerpflichtig?

Spekulationsgewinne, zu denen Gewinne durch Arbitragegeschäfte gehören, sind in Deutschland einkommensteuerpflichtig (§ 23 EStG).

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