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Stock-to-Flow (S2F) - Bitcoin hat ein Bewertungsmodell gefunden


Martin Fiedler

Zuletzt Aktualisiert: 24. Mai 2021

Zusammengefasst


Bitcoin hat das gleiche Problem wie Edelmetalle (Gold, Silber ,...), wenn es um eine Bewertungsmethode geht, da es bei diesen Assets keinen Cashflow gibt. Daher wird bei diesen Assets oft auf das Stock-to-Flow-Ratio (S2F) zurückgegriffen, welches Knappheit anstatt Cashflow zur Bewertung heranzieht. Der anonyme Twitter-Nutzer und ehemalige institutionelle Investor "PlanB" hat im März 2019 das Stock-to-Flow-Modell das erste Mal auf Bitcoin angewandt und ist zu bemerkenswerten Ergebnissen gekommen. Das Modell von Plan B hat durch seine exakte Vorhersage große Aufmerksamkeit erlangt und gilt seit dem als valide Bewertungsmethode und Tool für die Bitcoin-Preis-Prognose, auch wenn das Modell grundsätzlich nicht unumstritten ist. Die S2F-Berechnungsmethode von PlanB wird mittlerweile auch von Banken wie Fidelity oder BNY Mellon für Bitcoin angewendet. Für 2021 sagt das Modell einen Preis von um die $ 90.000,- herum (mit Abweichung nach oben/unten) pro Bitcoin voraus, die erweiterte Version namens "S2FX" sogar bis zu $ 288.000,-.

Bitcoin-Stock-to-Flow

Das Stock-to-Flow-Modell für Bitcoin basiert auf Knappheit und ist aufgrund seiner bisherigen Genauigkeit zur Standard-Bewertungsmethode für die Kryptowährung geworden. Wieso das Modell so gut funktioniert, kann selbst der Erschaffer, Plan B noch nicht mit Gewissheit sagen. Stock to Flow bietet keine Garantie, dass das Modell auch in Zukunft halten wird und sollte, trotz der interessanten Daten, mit Vorsicht genossen werden.

Das Stock-to-Flow-Verhältnis dividiert den momentanen Bestand (Stock) an Bitcoins durch die Anzahl der Bitcoins (Flow), die in 1 Jahr gemint werden.

Bitcoin und die Geburt einer quantitativen Bewertungsmethode mit dem Stock-to-Flow-Modell

Plan B, der Ersteller des Stock-to-Flow-Modells für Bitcoin, sagt über dieses: "Beim Investieren benötige ich immer ein Modell, um eine Investition zu bewerten. Das habe ich bei Bitcoin vermisst. Deshalb habe ich versucht, eines zu finden".

Das grundsätzliche Problem bei der Bewertung von Bitcoin ist, dass Bewertungsmethoden in der Regel Cashflow-basiert sind, Bitcoin jedoch keinen Cashflow produziert.

Plan B geht davon aus, dass der Schlüssel in der Knappheit von Bitcoin liegt und dass das der primäre Grund ist, wieso Menschen in Bitcoin investieren. Und wenn das der Fall ist, wie misst man Knappheit? Aus dem Bereich der Edelmetalle wie Gold oder Silber ist eine Messmethode namens "Stock-to-Flow" bekannt, welche Plan B auf Bitcoin angewandt hat.

Was misst das Stock to Flow-Modell genau?


Das Stock to Flow-Modell misst die Knappheit eines Gutes, indem die ausstehende Menge von zum Beispiel Gold oder Bitcoin durch die jährliche "Produktion" dividiert wird. Im Falle von Gold ist die Produktion das Schürfen und im Falle von Bitcoin ist die Produktion das Mining, also die Menge an Coins, welche bis zur Grenze von 21 Millionen jährlich neu dazu kommen. Klingt simpel? Ist es auch. S2F ist keine hochkomplexe Bewertungsmethode.

Die einfache Version von S2F von Plan B misst ausschließlich Bitcoin. Einige Zeit darauf ist noch eine weitere Version namens S2FX (Stock-to-Flow Cross Asset) dazugekommen, welche Bitcoin, Gold, Silber, Diamanten und Immobilien berücksichtigt und in einem Modell vereint.

Das Stock-to-Flow-Modell wurde im März 2019 veröffentlicht und hat seit dem eine immense Aufmerksamkeit in der Szene, aber auch darüber hinaus, erlangt.

Plan B: "Stock-to-Flow auf Bitcoin angewendet, hat viel Zuspruch aber auch Kritik bekommen. Ich mag die wissenschaftliche Diskussion darum. Ich bin sicher, dass es über die Zeit noch verbessert werden kann."

Das Besondere an Stock-to-Flow ist, dass das Modell bisher erstaunlich genau mit dem Preisverlauf von Bitcoin übereingestimmt hat. Plan B stellte jedoch auch klar, dass er nicht an Stock to Flow festhält, sollte es sich als falsch herausstellen. Das würde es tun, wenn Bitcoin für längere Zeit (mehr als sechs Monate) darüber oder darunter performen würde, ohne zur Prognose des Modells zurückzukehren.

Wieso hat "PlanB" das Modell überhaupt veröffentlicht?


Grundsätzlich hätte PlanB seine Entdeckung auch einfach für sich behalten können. Nach eigenen Angaben wollte er damit jedoch an die Öffentlichkeit, um Feedback zu bekommen und auf eventuelle Fehler aufmerksam gemacht zu werden.

Was bei Stock-to-Flow beachtet werden sollte ist, dass es sich um ein relativ grobes Modell handelt und keine exakten Daten vorhersagen kann. Aus S2F lässt sich also nicht herauslesen, wo der Preis von Bitcoin beispielsweise nächsten Monat liegen wird. Auch kann das Modell keine schwarzen Schwäne ("Black Swans") vorhersehen wie zum Beispiel ein Fehler im Code von Bitcoin, ein Verbot von Mining, extreme Regulierung oder generelle Verbote. Solange Bitcoin jedoch immer wieder zum Preis nach Stock to Flow zurückkehrt, gilt das Modell als intakt. Bisher war dies der Fall.

Stock-to-Flow und die Bitcoin-Halvings

Mit jedem Halving, welches bei Bitcoin alle vier Jahre stattfindet, zeigt sich ein 1 Jahr danach eine gesteigerte Nachfrage nach Bitcoin ("Halving Cycle"). Das Bitcoin-Halving ist dabei ein Kernelement des Bitcoin-Stock to-Flow-Modells.

Auf die Frage, warum es diesen vorhersehbaren Zyklus überhaupt gibt und damit Bitcoin's  Stock-to-Flow überhaupt funktioniert, kennt selbst Plan B noch keine genaue Antwort: "Das ist ein bisher wenig untersuchtes Territorium, welches ich versuche, durch On-Chain-Analyse weiter zu ergründen."

Was man zumindest sagen kann ist, dass es vermutlich mit der Verknappung zu tun hat. Plan B dazu: "Vier Millionen Bitcoins sind aller Voraussicht nach für immer verloren. Zehn Millionen dagegen lagern in Cold Wallets. Das bedeutet, dass nur circa vier Millionen Bitcoins aktuell auf Krypto-Börsen gehandelt werden. Interessant dabei ist, dass es nach den Halving immer erhöhte Aktivität gibt und alte Investoren Gewinne mitnehmen und neue Investoren in den Markt drängen. Wieso dass immer nach den Halvings passiert? Das benötigt weitere Untersuchungen."

Stock-to-Flow und die Markteffizienzhypothese

Eine der besten Kritiken, die er seinem S2F-Modell bekommen habe, so Plan B, sei die Markteffizienzhypothese.

Es stellt sich also die Frage, warum Stock to Flow in einem effizienten Markt funktionieren sollte, in dem bereits alles eingepreist ist?

"Märkte vorherzusagen ist extrem schwierig und Stock to Flow lässt es fast zu einfach erscheinen, Geld mit Bitcoin zu verdienen. Es kann also sein, dass etwas in dem Modell übersehen wurde. Ich freue mich über Kritik. Das ist Wissenschaft, das ist Debatte. Wenn die Debatte stoppt, stoppt die Wissenschaft und dann wird es zur Religion."

Plan B geht davon aus, dass der Markt von Bitcoin durchaus effizient ist, was sich beispielsweise in mangelnden Arbitrage-Möglichkeiten zeigt. Stock-to-Flow sei demnach sehr wohl eingepreist, allerdings sollen Bitcoins Risiken vom Markt zu überbewertet werden, was den Preis niedriger hält, als dieser sein sollte.

Es gibt Ökonomen, die hier allerdings anderer Meinung als Plan B sind und die teilweise kontroverse über das Stock-to-Flow-Modell weiterhin am Laufen halten werden.

Zumindest ist anzumerken, dass S2F bisher gut funktioniert hat und somit weiterhin intakt ist. Dies würde sich ändern, sollte Bitcoin im Laufe dieses Jahres (2021) die ~$ 90.000,- pro Stück nicht erreichen.

Ist Stock-to-Flow eine selbsterfüllende Prophezeiung für Bitcoin und ist es weiterhin intakt?

Da das Stock-to-Flow-Modell von Plan B, der mittlerweile eine halbe Million Follower auf Twitter hat und auch von renommierten Medien und sogar Banken wie zum Beispiel Fidelity zitiert und wiedergegeben wird, stellt sich die Frage, ob S2F damit nicht zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Mit der immer weiter steigenden Bekanntheit der Bewertungsmethode steigt die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario.

Plan B merkte dazu an, dass  dies zu einem gewissen Teil sicher korrekt sei, er grundsätzlich jedoch nicht von einer allzu großen Auswirkung auf den Preis ausgehe.

Für diese These spricht, dass das S2F-Modell auch auf die Jahre vor dem erstmaligen Erscheinen im März 2019 angewendet werden kann und hier erstaunlich akkurat ist.

Allerdings besteht tatsächlich die Gefahr, dass Stock-to-Flow zwar einige Zeit lang funktioniert hat, es mittlerweile jedoch nicht mehr der Fall ist und von selbsterfüllender Prophezeiung am Leben erhalten wird, wodurch der mögliche Defekt im Modell nicht auffällt. Ob Stock-to-Flow also tatsächlich noch intakt ist oder nicht, kann nur die Zukunft zeigen.

Wer ist "Plan B", der Kopf hinter dem S2F-Modell?

Der niederländische und in Amsterdam lebende Twitter-Nutzer "Plan B" (40) hält sich anonym. Der echte Name der Person ist bis heute nicht öffentlich bekannt. Das Profilbild zeigt eine Kappe mit der Aufschrift "Plan B", was auf Bitcoin anspielt.

Plan-B-100trillionusd-S2F

Seine Twitter-Handle "@100trillionUSD" spielt wiederum auf Zimbabwe an, wo Inflation derartig aus dem Ruder lief, dass der Staat begonnen hat, 100 Billionen-Dollar-Noten auszugeben.

Aber zurück zur Person. Da sich Plan B weitestgehend anonym hält, muss man auf seine eigenen Aussagen zu sich selbst vertrauen. Seine zahlreichen Interviews und sein Wissen lassen seine Angaben allerdings zumindest plausibel erscheinen.

In seiner akademischen Laufbahn hat Plan B Wirtschaftswissenschaften sowie Jura studiert. Sein beruflicher Hintergrund ist nach eigenen Aussagen im institutionellen Investmentbereich zu finden, wo er bis Anfang 2021 in einer leitenden Position über $ 100 Milliarden, gemeinsam mit seinem Team, verwaltet hat. Mit 01. März kündigte Plan B bei dem Hedgefonds und konzentriert sich seit dem in Vollzeit auf die Erforschung quantitativer Bewertungsmethoden sowie auf On-Chain-Analyse zu Bitcoin.

Angesprochen auf seine persönliche Meinung zur weiteren Entwicklung von Bitcoin sagt Plan B: "Ich kann mir vorstellen, und das ist jetzt bitte Glaskugel, dass es nach dem nächsten All-time-high von Bitcoin einen massiven Rücksetzer geben kann, ausgelöst durch ein Black-Swan-Event. Ich glaube, das wird noch einmal passieren. Aber es wird eine Zeit geben, in der Bitcoin "too big to fail" sein wird. Ich persönlich denke das wird um die Zeit herum passieren, wenn Bitcoin so knapp wie Immobilien sein wird und einen Market Cap von 100 Billionen (US: "Trillions", Anm.) erreicht. Irgendwann zwischen 2024 und 2028."

Auf die Frage, was er Satoshi Nakamoto fragen würde, antwortete er: "Ich würde ihn fragen, warum das Halving immer nur alle vier Jahre passiert. Warum nicht durchgehend? Ich kann mir vorstellen, dass er das gemacht hat, damit Leute, die nicht an die Vision von Bitcoin glauben, aus dem Markt geschwemmt werden, in dem sie ihre Bitcoins an diejenigen verkaufen, die es tun. Das ist allerdings nur Spekulation. Mich würde seine Intention dahinter wirklich interessieren."

Seine Anonymität versucht Plan B so lange als möglich zu wahren, merkte jedoch an, dass dies vermutlich nicht bis in alle Ewigkeit möglich sein werde, da viele seiner ehemaligen Kollegen und Angestellten wissen, wer er sei und er auch angefangen hat, Kontakte zu manchen Followern zu schließen.

  • Quellen

    [1] https://medium.com/@100trillionUSD/efficient-market-hypothesis-and-bitcoin-stock-to-flow-model-db17f40e6107
    [2] https://www.youtube.com/watch?v=13r3WfQX6b4

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Dieser Artikel wurde erstmals am 24. Mai 2021 veröffentlicht und am 24. Mai 2021 aktualisiert.
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